Wir erleben zurzeit eine geschichtliche Phase die geprägt ist von Auflösung, Chaos und Veränderung. Auf der einen Seite verliert sich der Wertekanon der westlichen Welt unter dem Paradigma der Ökonomisierung  und auf der anderen Seite orientieren sich Gläubige zunehmend an fundamentalistischen Gedankengut. 
Rechtspopulismus, der früher eine Randerscheinung war, scheint gesellschaftsfähig zu werden. Neue Rechte, Reichsbürger und Verschwörungstheoretiker erobern Terrain und vergiften die politische Debatte. Hippies marschieren mit Nazis gegen Maskenpflicht. Ein Vorgang, den man noch vor zehn Jahren für unmöglich gehalten hatte.

Werden die Rechtspopulisten den politischen Alltag bestimmen? Wird sich die soziale und mentale Spaltung des Landes noch vergrößern? Ist mein Job gefährdet? Wie sieht die Zukunft meiner Kinder aus?

Diese Fragen können uns verunsichern, denn die Antworten sind nicht leicht zu finden. Wie schnell kann das dazu führen, dass wir uns in so einer Situation wenige Gedanken über die anderen machen sondern erst mal sehen, wo wir selbst und unsere Familien bleiben. 

Alle diese Themen kann man eigentlich nur aushalten und vielleicht lösen, wenn man dies auf der Basis eines einheitlichen Wertekonsens tun kann und einer Vision von Hoffnung. Aber genau diesen Wertekonsens haben wir weitestgehend verloren und das bedeutet, dass wir den Menschen und insbesondere der Jugend kaum eine Alternative zu extremen Werten und Individualismus bieten können. 

In unserer Gesellschaft herrscht das Paradigma des Erfolgs. Diesem ordnet sich jeder andere Wert, wie Altruismus, Selbstaufopferung, Einsatz für andere, Gerechtigkeit und so weiter unter. Der Vorstand eines Unternehmens, oder der B-Promi taugen heute eher als Rollenmodell als der Mensch, der sich täglich für seine Mitmenschen im Ehrenamt einsetzt. Wir sind also keine Leistungs- sondern eine Erfolgsgesellschaft. 

Als Bestandteil der besserverdienenden Elite kann manch einer vielleicht damit leben aber wenn man rausfällt aus dem System, und das tun heute viele schon in der Kindheit, wird es oft schwer. 

Die Generation der Babyboomer hat viel dazu beigetragen, bestehende Werte zu negieren. Auch ich habe mich damals gegen Religion und Moral gewehrt, weil ich sie als von außen aufgestülpte und herrschaftsstützende Instrumente interpretiert habe. Bei dem Kampf gegen diese Rahmenbedingungen hat meine Generation ganze Arbeit geleistet, nur leider dabei vergessen, ein neues Wertesystem zu etablieren. 

Die Aufgabe ist es, sein Tun mit den übergeordneten Moralgesetzen in Einklang zu bringen. Behandle Deine Mitmenschen so, wie Du selbst behandelt werden willst oder wenn man möchte passt hier auch der kategorische Imperativ von Kant. Das funktioniert aber nicht mit der breiten Masse und nur wenige Menschen sind offensichtlich in der Lage aus sich heraus das richtige zu tun. Ohne einen allgemeinen Wertekonsens für Frieden, Freiheit, Toleranz, Diversität und soziales Gleichgewicht geht es wohl nicht. Wir Freimaurer arbeiten zumindest daran, uns gemäß unserer Werte zu verhalten aber auch uns gelingt es nicht immer.

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