Wir erleben zurzeit eine geschichtliche Phase die geprägt ist von Auflösung, Chaos und Veränderung. Auf der einen Seite verliert sich der Wertekanon der westlichen Welt unter dem Paradigma der Ökonomisierung  und auf der anderen Seite orientieren sich Gläubige zunehmend an fundamentalistischen Gedankengut.  Der Terror des IS kommt nach und nach auch in Deutschland an und wir lernen neu, mit der Angst vor Anschlägen umzugehen. 

Die Einwanderung im Herbst 2015 hat uns eine „Willkommenskultur„ erleben lassen, die manch einen stolz auf unser Land gemacht hat. Aber auch wenn wir uns gefreut haben,  über diese Geste der Menschlichkeit, so haben viele gespürt, dass dies vielleicht nur von kurzer Dauer sein wird. Die erste Reaktion unserer Gesellschaft war vielleicht auf einen kollektiven Akt des Humanismus zurückzuführen. Vielleicht aber auch auf die damit verbunden Absolution für das kollektive schlechte Gewissen bzgl. der Taten des Deutschen Volkes in der Nazizeit und danach durch Kolonialisierung und wirtschaftliche Ausbeutung im Nahen Osten. Es scheint so zu sein, dass wir Deutschen nur so oder so können, schwarz oder weiß.

Jetzt, wo viele Menschen erleben, dass nach „Wir schaffen das“ nur wenige der eigentlich notwendigen Maßnahmen zur Integration ergriffen wurden, viele Flüchtlinge offensichtlich in eine ungewisse und hoffnungslose Zukunft gehen und einzelne in ihrer Frustration sich vielleicht dem vermeintlichen Heil des Islamismus hin geben, verändert sich das Gefühl des unbedingten Willkommens in unserem Land von Tag zu Tag, mit jeder neuen News. 

Fragen werden gestellt: Entstehen Parallelgesellschaften? Wird es zunehmend eine Hinwendung zum Islamismus geben? Importieren wir Konflikte aus dem Nahen Osten nach Deutschland? Wird es eine stärkere Orientierung hin zu den Rechtspopulisten geben? Werden die Rechtspopulisten den politischen Alltag bestimmen? Wird sich die soziale und mentale Spaltung des Landes noch vergrößern? Ist mein Job gefährdet? Wie sieht die Zukunft meiner Kinder aus?

Diese Fragen können uns verunsichern, denn die Antworten sind nicht leicht zu finden. Wie schnell kann das dazu führen, dass wir uns in so einer Situation wenige Gedanken über die anderen machen sondern erst mal sehen, wo wir selbst und unsere Familien bleiben. 

Alle diese Themen kann man eigentlich nur aushalten und vielleicht lösen, wenn man dies auf der Basis eines einheitlichen Wertekonsens tun kann und einer Vision von Hoffnung. Aber genau diesen Wertekonsens haben wir weitestgehend verloren und das bedeutet, dass wir den Menschen und insbesondere der Jugend kaum eine Alternative zu extremen Werten und Individualismus bieten können. 

In unserer Gesellschaft herrscht das Paradigma des Erfolgs. Diesem ordnet sich jeder andere Wert, wie Altruismus, Selbstaufopferung, Einsatz für andere, Gerechtigkeit und so weiter unter. Der Vorstand eines Unternehmens, oder der B-Promi taugen heute eher als Rollenmodell als der Mensch, der sich täglich für seine Mitmenschen im Ehrenamt einsetzt. Wir sind also keine Leistungs- sondern eine Erfolgsgesellschaft. 

Als Bestandteil der Elite kann man damit leben aber wenn man rausfällt aus dem System, und das tun heute viele schon in der Kindheit, wird es oft schwer. 

Die Generation der Babyboomer hat viel dazu beigetragen, bestehende Werte zu negieren. Auch ich habe mich damals gegen Religion und Moral gewehrt, weil ich sie als von außen aufgestülpte und herrschaftsstützende Instrumente interpretiert habe. Bei dem Kampf gegen diese Rahmenbedingungen hat meine Generation ganze Arbeit geleistet, nur leider dabei vergessen, ein neues Wertesystem zu etablieren. 

Vielleicht haben wir die Reife der Menschen überschätzt und gedacht, sie könnten ein eigenes Wertesytem schaffen. So wie Aleister Crowley es im Buch des Gesetzes formuliert hat:

„Tu was Du willst soll sein das ganze Gesetz – Liebe ist das Gesetz, Liebe unter Willen.“

Dieses Prinzip, das bei intensiver Meditation darüber viel Weisheit erkennen läßt  funktioniert für den reifen und vernünftigen Menschen, der sein Tun mit den übergeordneten Moralgesetzen in Einklang gebracht hat. Das funktioniert aber nicht mit der breiten Masse. Denn so wie der Satz von Crowley fast immer als Aufruf zum Hedonismus missverstanden wurde, so sind nur wenige Menschen in der Lage aus sich heraus das richtige zu tun. Wir Freimaurer arbeiten daran aber auch uns gelingt es nicht immer.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s