Diese Frage wird immer wieder von Suchenden gestellt. Und auch unter Brüdern und Schwestern wird über dieses Thema oft engagiert diskutiert oder auch gestritten. Mich fasziniert immer wieder der Dogmatismus der dieser Frage immer wieder wahrnehmbar ist. Ich kann es gut akzeptieren, wenn Freimaurer keinen Bezug zur Mystik in der Freimaurerei erkennen können und ihre freimaurerische Arbeit nur auf das Diesseits und weltliche Dinge beschränken. Da wo es aber nur um Geselligkeit geht und und das „schaue über Dich“ von untergeordneter Bedeutung ist, da habe ich Fragen, auf die ich bisher nur wenig Antworten bekommen habe.
In dieser reduzierten Betrachtung der Freimaurerei kann ich die Notwendigkeit für die Rituale und Symbole nicht mehr nachvollziehen, wenn sie nicht nur schmückendes Beiwerk sein sollen. Alleine die Frage, welches Licht wir als Freimaurer und Freimaurerinnen denn nun suchen, könnte ich mir in diesem Kontext nicht mehr zufriedenstellend beantworten. Aber wie dem auch sei, auch die Geselligkeit ist natürlich eine legitime Motivation, Freimaurer zu sein und man muss anerkennen, dass es durchaus Freimaurer gibt, die ihre rein humanistische Sichtweise auch mit dem Ritual und der Symbolik irgendwie in Einklang bringen.


Warum gibt es so ein Problem mit diesem Thema?
Ofensichtlich berührt diese Frage etwas, dass Abwehrmechanismen auslöst. Was ich wirklich bedaure ist die durchaus vorkommende tiefe Ablehnung für alle andersdenkenden, die sich für die weit zurück reichenden Einflüsse auf die Freimaurerei interessieren und die Symbole auch zur spirituellen Reife nutzen wollen. Gewisse Parallelen zu den Rosenkreuzern und anderen eher esoterisch ausgerichteten Gruppierungen sind meines Erachtens schon dadurch evident, dass es in dieser Gruppe nachweislich Menschen gab, die auch Freimaurer waren oder umgekehrt und dass in den Ritualen und Symbolen viele Parallelen zur rosenkreuzerischen, gnostischen und hermeitischen Inhalten zu erkennen sind. Einen flammenden Stern zum Beispiel rein weltlich oder ethisch-moralisch zu interpretieren würde mir persönlich auf alle Fälle schwer fallen.

Ich möchte meine Sichtweise nicht zum Maßstab machen, wünsche mir aber, dass sie respektiert wird. Warum können wir nicht alle Auslegungen der Freimaurerei (mit Gott, ohne Gott, esoterisch, humanistisch usw.) als Freimaurer so tolerant behandeln, wie wir es gelobt haben? Freuen wir uns doch über die Diversität in unserem Bund, die „Einheit in der Vielfalt“.

Aufklärung hat nicht zwangsweise etwas mit Atheismus zu tun, eher mit Agnostizismus. Das wird oft missverstanden. Vergessen wir nicht, dass es die Hermetiker und Rosenkreuzer waren, die entscheidende Impulse für die Aufklärung in der Renaissance gesetzt haben. Und Pythagoras, Goethe, Novalis, Hesse, Fludd, Newton, Mozart, Thomas Mann und all die anderen hoch gebildeten Geister, die sich in ihrem Werk auf mehr als das weltliche beziehen als fehlgeleitete Schwärmer zu empfinden, was sie sein müssten, wenn man jeder esoterischen Betrachtung die Relevanz abspricht, erscheint mir nicht angemessen. Wogegen sich die Aufklärung in Wirklichkeit gewendet hat, war der blinde Glaube und die Abhängigkeit von Autoritäten. Eine philosophisch religiöse Auffassung von Welt, Mensch und Kosmos kann schon deshalb nicht zwingend falsch sein, weil auch nicht alle Aufklärer jede Form von Religiösität abgelehnt haben.


In dieser Frage brauchen wir Respekt und Toleranz
So sehr ich eine ablehnende Position zu Gott bei Brüdern und Schwestern auch respektieren kann, so entspricht eine Verachtung aller derer, die den tieferen Sinn in der Freimaurerei suchen, aus meiner Sicht nicht den freimaurerische Prinzipien. Es wäre auch nicht respektvoll gegenüber den vielen freimaurerischen Autoren, die hunderte von tiefgründigen Büchern zu dem Thema geschrieben haben und das nach jahrelangen Studien. Die Frage ist, ob manch einer, der stark wettert gegen die „Schwärmerei“ und „überkommene Traditionen“, sich überhaupt in der Tiefe mit all diesen Dingen auseinandergesetzt hat, bevor er zu seinem Urteil kam. Oder ob er sich nicht durch die rigorose Ablehnung in Wirklichkeit vor dieser Aufgabe drückt? Ist es nicht so, dass je vehementer ein Urteil ausfällt, so tiefer die vorausgegangene Auseinandersetzung mit dem Thema gewesen sein sollte? Wäre man, wenn man dies nicht ausreichend getan hat, nicht besser beraten, etwas vorsichtiger zu formulieren?

Eine der wenigen echten Erkenntnisse, die ich beim lesen von Regalen voller Bücher zu dem Thema gewonnen habe, ist die, dass ich verdammt wenig weiß, dass es viele sehr viel schlauere Menschen und Brüder als mich gibt, dass die Welt und der Kosmos voller Geheimnisse sind, dass manches zu groß ist, um es zu verstehen und dass ich mehr Fragen als Antworten habe.
Wie kann ich da zu einem dogmatischen Urteil kommen und andere Positionen in Bausch und Bogen ablehnen? Als Freimaurer kann ich hier doch im Grunde nur Demut walten lassen.


Für „nur“ eine gesellige Runde wäre es recht viel Aufwand
Üb er die Freimaurerei ist viel geschrieben worden und doch gibt es viele Lücken in der Geschichte des Bundes. Im 18. Jahrhundert sind viele Einflüsse zusammen gekommen in der Freimaurerei und wir sollten diese Vielfalt meiner Meinung nach auch schützen und bewahren, denn sie sind ein Teil der Freimaurer Historie und Identität. Wer sich dafür interessiert, dem sei das Buch von Jan Snook empfohlen: „Einführung in die westliche Esoterik“.

Einen Bereich, der für viele Brüder und Schwestern essentiell ist, immer weiter aus dem Bewußtsein des Bundes zu tilgen wäre schade um all die, denen die Freimaurerei genau hier etwas zu bieten hat. Die Vehemenz, in der manch einer gegen alles mystische in der Freimaurerei vorgeht, läßt einen vermuten, dass hier und da vielleicht auch Verdrängung eine Rolle spielt. Ohne eigene Ängste könnte man wahrscheinlich viel offener und freier damit umgehen. Man muss eine Meinung nicht teilen, um sie zu respektieren. Genau das sollten wir als Freimaurer beherrschen, denn wie sonst wollen wir ein Beispiel für die profane Welt sein und durch unser Tun in der Welt wirken?

Wenn wir nicht mehr als ein Männerstammtisch mit Regeln sind, dann wird es meines Erachtens schwer, die Bedeutung und Relevanz des Bundes auf Dauer zu erhalten. Wir sollten also Platz unter uns lassen, für die, denen genau danach der Sinn steht, auch wenn sich dem einen oder andren genau dieser Sinn nicht erschließt. Vor allem wenn wir über Modernisierung und Ritualreformen sprechen, dann sollten wir uns hüten, Dinge zu eliminieren oder zu verändern, die wir vielleicht überhaupt nicht in der Tiefe durchdrungen haben. Zu groß ist die Gefahr, dass wir den Gesamtzusammenhang des Rituals geführten.

Es ist genug Platz für alle Positionen und Sichtweisen da und genau in dieser Diversität und Individualität, sowie dem gegenseitigen Respekt liegt ein großer Wert des Freimaurerbundes.

Mein Plädoyer gilt also der Offenheit und der Toleranz und dem Bewußtsein, dass wir in der Freimaurerei einen Schatz haben, den es zu bewahren und nicht zu profanisieren gilt. Gerade darin liegt ihre Kraft.

2 Kommentare zu „Spielt Gott eine Rolle in der Freimaurerei?

  1. Lieber und sehr geschätzer Bruder Kai Stührenberg,
    ich respektiere deine Einstellung und Haltung zum Thema >GottStreitgesprächeGottGottesglaubenGottblinden Glauben< und die sich daraus ergebende Abhängigkeit von der entsprechenden Autorität.
    Gerade deshalb ist das "SAPERE AUDE" durch I. Kant, vor allem für Freimaurer*innen, so wichtig, weil wir durch den Gebrauch unseres eigenen Geistes und Urteilsvermögens zu einem Urteil finden können.
    Mit herzlichen, brüderlich verbundenen Grüßen
    Dein Bruder Werner:.

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    1. Lieber Bruder, in meinem eher pantheistischen Verständnis von Gott gibt es keine Autorität. Wir reden ja schließlich nicht über einen weißen Mann mit Bart. In meinem Verständnis ist das was wir in unseren Breiten als Gott bezeichnen, nichts weiter als eine Kraft, eine Energie, mit der wir versuchen können, im Einklang zu leben. DIeser Kraft ist egal was wir tun aber für uns ist es nicht egal, ob wir in Harmonie leben. Das Sapere Aude ist die zentrale Aufgabe für jeden von uns. Selbsterkenntnis und daraus folgend Gotteserkenntnis. auf diesem Weg kann die Freimaurerei ein Werkzeug sein.

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